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Mord im Orient Express

Krimi Drama | Ab 12 Jahren | 114 Min. | 09.11.2017

Dummy

Produktion 2017

Original-Titel Murder On The Orient Express

Verleih Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Film-Information

Der legendäre belgische Privatdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) ist auf dem Weg nach London. Doch sein nächster Fall erwartet ihn überraschend schon unterwegs: Im luxuriösen Orient-Express, der von Istanbul nach Calais fährt, will der amerikanische Kunsthändler Ratchett (Johnny Depp) Poirot als Leibwächter engagieren. Der Detektiv lehnt ab. Prompt wird Ratchett tags darauf tot aufgefunden, seine Leiche übersät mit Messereinstichen. Händeringend bittet der Chef der Eisenbahnlinie Bouc (Tom Bateman) Poirot um Hilfe. Denn da der Zug im Schnee feststeckt, muss sich der Täter noch an Bord befinden. Somit sind alle Mitreisenden verdächtig, darunter Ratchetts Assistent (Josh Gad), sein Diener (Derek Jacobi), Prinzessin Dragomiroff (Judi Dench), die Gouvernante Mary Debenham (Daisy Ridley), Witwe Hubbard (Michelle Pfeiffer) und Professor Hardman (Willem Dafoe). Eile ist geboten, schließlich ist das Motiv völlig unklar. Weitere Morde sind also nur auszuschließen, wenn der Täter schleunigst überführt wird. Doch Hercule Poirot wäre nicht Hercule Poirot, wenn er nicht schon eine Theorie hätte ? die er allerdings vor Verdächtigen wie Zuschauern lange geheim hält ?

Kommentar

Neuverfilmung des Krimis von Agatha Christie, in der es Hercule Poirot mit zwölf Verdächtigen zu tun bekommt. Treffende Worte: "Mord im Orient-Express" ist ein hinreißend unterhaltsamer Film von der Art, wie man sie nicht mehr macht: ein klassischer Whodunit, in dem alle Indizien ausgebreitet werden und offen sichtbar sind, und er ist angefüllt mit einer großen und teuren Sammlung von Stars." Schrieb der legendäre Roger Ebert 1974 über Sidney Lumets nicht minder legendäre Adaption der ebenso legendären Vorlage von Agatha Christie aus dem Jahr 1934, die der legendären Ingrid Bergman einen Oscar einbrachte (und fünf weitere Nominierungen kassierte). Und könnte man eins zu eins auch auf die Neuverfilmung übertragen, die Kenneth Branagh mit dem gewohnten Hang zur leichten Übertreibung verantwortet. Damals waren es neben Bergman u. a. Sean Connery, Anthony Perkins, Lauren Bacall, Michael York und John Gielgud, die von Hercule Poirot an Bord eines in einer Schneewehe feststeckenden und von der Außenwelt abgeschnittenen Zuges von Istanbul nach Calais des Mordes an einem damals von Richard Widmark gespielten amerikanischen Millionärsekel verdächtigt wurden. An ihre Stelle treten jetzt Judi Dench, Michelle Pfeiffer, Penelope Cruz, Willem Dafoe, Derek Jacobi und Daisy Ridley, die womöglich Johnny Depp ums Eck gebracht haben könnten. Kenneth Branagh selbst spielt den belgischen Meisterdetektiv Schnurrbart zwirbelnd mit belustigtem Knattern und exzentrischen Manierismen, als würden sich Monty Python vor allen bisherigen filmischen Poirots verneigen, vor Albert Finney, Tony Randall, Peter Ustinov und David Suchet. Ansonsten folgt der Film minuziös der bereits bekannten Handlung, sieht man von einem neuen Einstieg ab, in dem Genialität und Exzentrizität von Hercule Poirot etabliert werden, und ein paar virtuoser filmischer Kniffe, darunter eine begnadete Kamerafahrt entlang des titelgebenden Zuges, während drinnen Poirot die Wagons an allen anderen Beteiligten vorbei entlangstreift. Hatte Lumets Film einen fast nostalgischen Schimmer, bevorzugt Branaghs Hauskameramann Haris Zambarloukos ("Thor", "Cinderella") einen klaren, beinahe klinischen Look, als wolle der Film dem Publikum zeigen, dass er, anders als die zwölf Verdächtigen, nichts zu verbergen hat. Mit Lumets Film gemein hat Branaghs Adaption, dass es nicht um Spannung oder Nervenkitzel geht; "Mord im Orient-Express" ist weniger Thriller als amüsiertes Gesellschaftsstück, eine Sittenkomödie, die spielerisch und mühelos wirkt, aber doch das Kunststück vollbringt, dass der Zuschauer immer genau weiß, wo sich wer befindet, wie wer mit wem zusammenhängt: ein Kabinettstück der Jonglierkunst, die allen Schauspielern gerecht wird und jedem wenigstens eine große Szene schenkt, während Poirots graue Zellen Überstunden machen müssen, weil jede neue Enthüllung wieder neue Geheimnisse aufwirft und von der jeweils nächsten Aussage wieder in Zweifel gezogen wird. Wie Roger Ebert so richtig sagt: Solche Filme werden nicht mehr gemacht. Gerade das Altmodische ist sein Alleinstellungsmerkmal. Immerhin ist man so selbstbewusst, in der letzten Szene anzudeuten, dass "Tod auf dem Nil" als nächstes Krimikonfekt eine Möglichkeit sein könnte. ts.

  • Matinee
  • © 2012 Gloria Palast GmbH

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